Review:
Oh Mann, bin ich enttäuscht. Hier meine Review zu Blue Prince: (Spoiler Warnung!)
Kurz einige Erklärungen von Spielmechaniken, weil diese wichtig sind, um die Review zu verstehen. Blue Prince ist ein Rätsel-Spiel, das im Gegensatz zu anderen Spielen des Genres keine feste Map hat, sondern man geht durch ein Anwesen, bei den man beim Öffnen einer Tür einen aus drei zufälligen Räumen auswählt, der hinter die Tür platziert wird. Da man nur ein bestimmtes Raster für das Platzieren von Räumen hat und Räume verschiedene Anzahlen an Türen haben, wird es häufig dazu kommen, dass man nicht mehr weiterkommt, da man nur Sackgassen oder Räume mit einem schlechten Layout zieht - dann muss man einen neuen Tag beziehungsweise Run anfangen. Die Räume sind aber an sich nicht Zufallsgeneriert, sondern immer gleich und sind dann auch an bestimmte Rätsel gebunden. Es ist noch etwas komplexer mit Items, die das Raum-Zieh-Prozedere beeinflussen und einigen Bereichen, die permanent bleiben und nicht resettet werden, aber für den Kontext dieser Review reicht das denke ich für das Verständnis.
Eigentlich hat mir Blue Prince insane gut gefallen. Sodass ich jeden Tag aufgestanden bin, mit richtig viel Motivation und Lust weiter zu spielen und ich habe auch in kein Spiel so viel Zeit in einem so kurzen Zeitraum reingepumpt. Es hat einfach so viel Spaß gemacht alles zu erkunden, sich Notizen zu machen und die Rätsel zu lösen. Ich bin auch für die ersten 30 Stunden oder so echt sehr gut voran gekommen. Die Rätsel waren schwer, aber lösbar und auch wenn ich durch das zufallsbasierte Raumprinzip in einem Run nicht immer das machen und ausprobieren konnte, was ich wollte, habe ich doch aus fast jedem Run einen Nutzen oder eine Erkenntnis gezogen. Und ich hatte auch während des Spielen den Gedankengang, dass es eigentlich genial sei, dieses Zufallselement einzubauen, da man so zwar nicht in jedem Run an sein Ziel kommt, aber durch den Zeitaufwand einige Zeit zum überlegen erhält für die Rätsel, die man zu lösen hat. Somit steht man nicht wie in nem Escape-Room vor einen Rätsel, das gelöst werden muss, um weiter zu kommen, blöd rum und denkt drüber nach, sondern man kommt auf Ideen während man dieses Raum-Gimmick erkundet und währenddessen auch anderen Stuff findet.
So hatte ich über diese Zufallsmechanik gedacht, bis ich zu Rätseln gekommen bin, die ich nicht lösen konnte. Da habe ich dann nicht mehr so viele andere Anhaltspunkte gehabt und habe Run nach Run in den Sand gesetzt, weil ich die ganz bestimmte Raum-Zusammensetzung, die ich brauchte, um eine Theorie auszutesten, einfach nicht bekommen habe. Ich konnte die besten Items haben und so viel Währung wie ich will, aber mein Glück hat mich zurück gehalten. Dazu war es dann auch so gewesen, dass ich mir gar nicht sicher sein konnte, ob mich meine Theorie überhaupt wirklich weiterbringen würde oder ob ich dann wieder einfach nur irgendein permanentes Upgrade bekomme und nicht den erwünschten Hinweis zu dem Rätsel, bei dem ich feststeckte.
Dann ist mein Frust gestern Abend implodiert und mein Geduldsfaden gerissen und ich habe die Lösung für die Rätsel gegoogelt und mir den Rest, den ich nicht gemacht hatte, auf YouTube angesehen. Mache Lösungen waren kompletter Schwachsinn und da wäre ich nie drauf gekommen, andere Rätsel hatten eine clevere Lösung, auf die ich hätte kommen können und wieder andere Rätsel hatten eine Lösung, die ich bereits probiert hatte, aber es mechanisch nicht 100% richtig ausprobiert hatte und dann zum Beispiel eine Stelle zum Graben knapp verfehlt habe.
Das hat mich alles sehr enttäuschend. Ich hatte in der Anfangszeit halt so viel Spaß und war in der Hoffnung, dass es genau so bis zum Ende des Spiels weitergehen würde. Doch wurde dann maßlos enttäuscht, als die Zufallsmechanik, die ich zuvor noch als sehr gut designed emfand, für mich zum Tod des Spiels führte.
Man hätte sich halt das moderate Ziel setzen können, nur die Anfangspsämisse, "den 46. Raum zu finden", zu bewältigen und das wäre auch ein recht spaßiges Erlebnis gewesen, aber das wäre dann wie bei Animal Well. Man hat zwar was geschafft, aber weiß, dass da noch so viel mehr zu finden ist. Man macht auch dahingehend erstmal gute Fortschritte, aber im Endeffekt, würde es so gottlos viel Zeit in Anspruch nehmen dieses Endgame zu entschlüsseln und keine Ahnung, wer so viel Geduld haben soll - ich habe sie zumindest nicht.
Ich denke, dass diese Zufallsmechanik perfekt funktionieren würde, wenn man alle Rätsel verstehen und relativ schnell lösen würde. Aber es ist halt ein Rätsel: der normale Spieler (ich) wird sicherlich was lange nicht verstehen oder nicht weiterkommen. Und in dem Kontext ist der Zufall einfach nur lästig und fühlt sich so an, als ob er einem aktiv Lebenszeit stiehlt. Ich glaube es wäre gut, wenn man noch mehr Einfluss darauf hätte, welche Räume erscheinen würden. Also zum Beispiel eine Möglichkeit, ganz bestimmte Räume zu erhalten und es nicht so sehr dem Zufall zu überlassen. Es gibt halt ein paar solcher Mechaniken, wie dass man die Seltenheit von Räumen etwas bearbeiten kann oder ein Raum bei dem man auswählen kann zu welcher Art von Raum der kommende Raum gehören wird. Das war aber meiner Meinung nach im Zugang zu limitiert und insgesamt zu wenig, um in der Gesamtheit ein Spaßiges Spielerlebnis für alle Spieler zu bieten.
Ich glaube ich gebe Blue Prince eine 8/10. Auch wenn es mich jetzt frustriert hat und es schwer ist, das gesamte Erlebnis nicht als Verschwendung anzusehen, da man es nicht zuende bringen konnte, gab es ja trotzdem einen großen Teil des Spiels, der mir extrem viel Spaß gemacht hat und das darf ich nicht außer Acht lassen.
Ich merke beim erneuten Lesen meiner Review, dass ich von Frustration immer mehr zu: schade, ich wünschte es wäre etwas besser implementiert worden, komme. Danke fürs lesen
Danke fürs Lesen <3
