Review:
Ich habe heute Cairn durchgespielt und wollte gerne ein Review schreiben, da ich einiges zu sagen habe.
Die Prämisse des Spiels ist ziemlich simpel: man ist eine bekannte Kletterin und hat es sich zur Aufgabe gemacht einen sehr hohen Berg zu erklimmen. Dafür macht man gebrauch der recht besonderen Steuerung des Spiels, bei der man immer eine Hand oder einen Fuß bewegen kann, um den nächsthöheren Punkt zum Festhalten zu finden. Während des Aufstieges muss man dann noch auf Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Wärme und Leben achten, die man hauptsächlich durch findbare Items versorgt. Dadurch, dass man nur begrenzt Platz in seinem Rucksack hat, hält es einen dazu an auch immer ein wenig die verschiedenen Ebenen des Berges zu erkunden, um weitere Lebensmittel und Verbrauchsgegenstände zu finden.
Diese Gameplayloop hatte mich sehr schnell gehooked und ich fand diese Mechaniken, vor allem das Klettern, richtig immersiv gestaltet. Alles von dem schweren Atmen, der richtig eingesetzten Controllervibration bis hin zu den nervös Zitternden Körperteilen, hatte mich richtig daran erinnert, als ich mal selbst Klettern war.
Ich war natürlich nur in so einer Kletterhalle und nicht an einem Berg, aber ich fand, dass diese Erfahrung wirklich sehr detailgetreu nachempfunden war. Es hat auch dazu geführt, dass ich auch mal beim Spielen vor Nervosität in den Händen etwas ins Schwitzen gekommen bin, da ich damals als ich dort im Zuge des Sportunterrichts Klettern war auch ein bisschen mit Höhenangst zu kämpfen hatte (auch wenn es nur so 10-15m war lol).
Leider werden im Verlaufe des Spiels, wenn mal schwierigere Passagen kommen, in denen es brenzlich wird, auch die Schattenseiten dieser Mechaniken und Steuerung deutlich.
Häufig war ich einfach frustriert von der Körperteilwahl. Es wählt nämlich basierend auf irgendeiner Logik automatisch aus, welches Körperteil man als nächstes bewegen kann. So war ich mir in Paniksituationen eigentlich sicher, dass ein bestimmtes Körperteil als nächstes dran ist, habe mich bereit gemacht dessen Bewegung so schnell wie möglich auszuführen, nur damit dann doch ein anderes dran ist. Es gibt schon ein paar Systeme, um sicherzustellen, dass man das Körperteil bewegen kann, dass man möchte, da man das aktuelle Körperteil auch manuell ändern kann oder man bei einer falschen Platzierung per Knopfdruck das nochmal besser justieren kann, doch wenn halt alles um die automatische Wahl designed ist, dauert alles andere viel zu lange, wenn es mal schnell gehen muss und führt ganz gerne auch mal zum Tod.
Des Weiteren tut sich das Spiel auch ziemlich schwer damit zu erkennen, wann horizontaler Boden unter dir ist. Es gab oft die Situation, dass ich schon längst am Ziel meiner gewählten Route war, aber trotzdem noch bangen musste, dass das Spiel auch hoffentlich versteht, dass ich über Boden bin und wenn ich von der Wand abspringe, nicht irgendwo komisch landen soll.
Das kombiniert sich dann auch gut mit einer weiteren Sache. Denn es gibt so eine Option für einen schnellen Sprint, der für Sprünge verwendet wird. Doch wenn man den benutzt, wird jede noch so kleine Stufe zur tödlichen Falle, da man super schnell anfängt á la Source-Engine zu Ragdollen. Das gibt zwar hin und wieder lustige Szenen, aber kann auch gut nervig werden.
Und über eine Sache möchte ich dahingehend auch noch meckern, und zwar über das Rucksacksystem. Im Game sind alle deine Gegenstände wie wild dort drinne verstaut und du hast die Möglichkeit Platz zu schaffen, indem du aufräumst, was nahezu nichts bringt, den Rucksack schüttelst, wobei du hoffen musst, dass es richtig fliegt, um irgendwie Platz zu schaffen oder du verbrauchst irgendetwas. Ich hätte mir halt am liebsten so ein geordneteres System wie zum Beispiel in Resident Evil 4 gewünscht, bei dem ich wirklich nach meinen Bedürfnissen sortieren kann, um auch actually einen besseren Überblick zu gewinnen. Hier hatte ich kaum einen Überblick wie viele Verbrauchsgegenstände ich noch habe, selbst nach meinem versuch zu sortieren, da es das System einfach nicht zulässt und lieber befürwortet, dass man alles durch Spamen eines Knopfes ungeordnet quetscht.
Was ich gut geregelt fand, war die Menge an Verbrauchsgegenständen, die man gefunden hat und die man benötigt hat. Man musste schon die Augen offenhalten und es wurd auch mal knapp, aber im Endeffekt hat es gereicht. Und ich habe jetzt auch einiges zu nörgeln gehabt, aber ich muss auch sagen, dass das alles Dinge sind, an die man sich gewöhnen kann. Ich würde zwar wegen diesen Unannehmlichkeiten jetzt nicht nochmal Starten wollen, aber krass gestört, dass sie mir das Spiel verdorben hätten oder so, haben sie auch nicht. Ich hatte mich auch ein Großteil des Spiels darüber aufgeregt, dass es sich so inkonsequent anfühlt, wann eine Position sicher ist und wann nicht, bis mich Arne, der das Spiel vor mir durchgespielt hatte, darauf hingewiesen hatte, dass es eine Ausdauermechanik gibt und man sich auch während des Klettervorgangs per Knopfdruck ausruhen muss. Diese Sache ist irgendwie völlig an mir vorbeigegangen und hat das restliche Spiel für mich deutlich erleichtert - also vielleicht bin ich auch einfach das Problem XD.
Aber das rohe Gameplay ist ja auch nicht alles. Ich fand zum Beispiel die Landschaft wunderschön, die Musik hat mir ziemlich gut gefallen und die verschiedenen Wetterphänomene und Tageszeiten wurden gut implementiert. Alle diese Sachen, haben eine schöne und sehr passende Atmosphäre geschaffen. Es gab auch richtig viele Kleinigkeiten zu finden, die nicht notwendig gewesen wäre, aber man hat sich trotzdem immer gefreut etwas zu finde und es hat sich sehr belohnend angefühlt sich verschiedene Routen auf einer Ebene des Berges anzuschauen.
Ein weiterer Punkt, auf den ich gerne eingehen würde, ist die Story. Diese lässt sich gut in zweite Stränge einteilen. Einmal die Geschichte des Berges mit den ehemaligen Einwohnern, dessen Behausungen man noch erkunden kann und mit den jetzigen Einwohnern, die man noch dort antreffen kann. Und zum anderen die Geschichte von Aava, der Protagonisten, die dann mit der von Marco, dem anderen Kletterer, den man trifft, verstrickt wird. Die Geschichte des Berges fand ich sehr interessant. Dadurch, dass man die Ruinen selber erkunden konnte und die Begegnungen mit den Personen sehr kurz und praktikabel gehalten wurden, hat es mir sehr Spaß gemacht diese zu verfolgen. Die Geschichte von Aava wiederum, hat sich sehr aufgezwungen und recht nervig angefühlt. Natürlich soll sie ja auch ein bisschen so sein - darum geht es ja auch. Doch hat es sich häufiger mal so angefühlt, als würde ich eher einer Schauspielerin zuschauen, als einem normalen Menschen. Zudem wurden einem eigenartig spät im Spiel mehrere Optionen für diesen Handlungsstrahl zur Auswahl gegeben, obwohl ich mich schon viel früher anders verhalten hätte.
Alles in allem bin ich aber froh Cairn gespielt zu haben. Ja es gibt vielleicht ein paar Probleme, aber haben die sich mir so sehr in den Weg gestellt, dass ich das Spiel nicht genießen konnte? Nein. Ich habe viel mehr die atemberaubende Atmosphäre und die Erfahrung es bis zur Spitze geschafft zu haben im Kopf als irgendeine Gameplaymachanik, die nicht perfekt ist. Also möchte ich Cairn gerne eine 8/10 geben - kann ich weiterempfehlen!
Danke fürs Lesen <3
